Kleine Kinder kleine Sorgen

Große Kinder…na ihr wisst schon.

Ich bin immerwieder erstaunt, wie unterschiedlich die beiden sind. Manchmal ist es vielleicht meinem lückenhaften Erinnerungsvermögen geschuldet oder der Wahrnehmungsverzerrung, die durch mehr Erfahrung und Gelassenheit entsteht. In vielen Fällen bin ich jedoch davon überzeugt, dass meine Erstgeborene ein echtes Profikind ist, während Kind Nummer zwei selbst von blutigen Anfängern geschaukelt werden könnte.

Das kleene Froillein ist nach wie vor eine Herausforderung. Sie ist in allem sehr laut. Sei es nun ihre Freude oder ihr Leid, dem sie Ausdruck verleiht. Alles muss raus! Leid verursachen bei ihr schon einfache Alltagssituationen. Händewaschen, Duschen, Haarewaschen, Nägelschneiden, Socken anziehen sind Dinge gegen die sie sich mit verschieden ausgeprägter Vehemenz wehrt. Nervenzusammenbrüche gibt es dann, wenn ein Stift abbricht oder sie etwas nicht finden kann. An manchen Tagen steigert sie sich in regelrechte Meckerorgien rein. Der Umzug steckt ihr immernoch in den Knochen und mein einst so aufgeschlossenes geselliges Mädchen fühlt sich in der neuen Umgebung so gar nicht angenommen. Angeblich wollte kein Kind mit ihr befreundet sein. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft meiner Eltern mit der sie sich während des ersten lockdowns angefreundet hat und nun mit ihr in eine Klasse geht, würde sie angeblich in der Schule abweisen und sie gemeinsam mit anderen Kindern ausschließen. Ansonsten würde sie ihr vorschreiben, mit wem sie spielen darf. Neulich erzählte sie uns, das Mädchen würde ihr auf den Kopf klopfen und “dumme …..” sagen. Nachmittags muss ich sie jedoch immer dort hin fahren und soweit ich das beurteilen kann, spielen die beiden schön miteinander.

Solange ich nicht selbst so ein Fehlverhalten bei der Freundin beobachte, kann ich m.E. nicht einschreiten. Natürlich habe ich mit dem kleenen Froillein gesprochen und ihr geraten, dem Mädchen zu sagen, es soll sie nicht anfassen und als dumm bezeichnen, weil sich sowas unter Freunden nicht gehört. Im übrigen macht die Freundin auf mich auch nicht den Eindruck, ein mobbender Intrigantling zu sein. Sie ist dem kleenen Froillein allerdings körperlich und Entwicklungsmäßig überlegen. Eher von dieser altklugen Sorte, die sich nicht scheut, Erwachsene zu belehren. Sie hat es sogar geschafft, meinem Vater einzureden, sie bräuchte keine Sitzerhöhung mehr im Auto.

Aufgrund einiger Vorkommnisse in der Vergangenheit habe ich jedenfalls gewisse Zweifel an den Aussagen meiner Tochter. Manchmal erzählt sie Dinge über andere, um damit ihre eigenen Gefühle zu beschreiben. Einmal hatte ich ihr eine Frisur gemacht, von der ich glaubte, sie würde gerne so in den Kindergarten gehen. Vor dem Spiegel fing sie dann an zu weinen und behauptete der “Jamie” würde sie dafür auslachen. Der würde sie ja immer auslachen. Am Abend gab sie dann zu, sich mit der Frisur nicht gemocht zu haben. Um mich aber nicht zu enttäuschen, hätte sie “Jamie” vorgeschobenen.

Ob es nun der Realität entspricht oder sie damit ihre Gefühle und Wahrnehmung ausdrücken möchte, ich sehe, dass mein kleenes Froillein überfordert ist.

Die Schule macht ihr zwar Spaß, dennoch merke ich schon jetzt, dass ihr das Lesen und Schreiben nicht so leicht fällt. Beim Schreiben hat sie eine unheimlich schwere Hand. Schon mehrere Stifte sind ihrer Betonhand zum Opfer gefallen. Lesen müssen wir sehr intensiv üben. Wörter, die mit einem Konsonanten beginnen, fallen ihr besonders schwer. Und natürlich macht sie nichts von sich aus. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass sie sich freiwillig an ihre Hausaufgaben gesetzt hätte. Da war ich doch wenigsten bis zur vierten Klasse motivierter.

Ich bin gespannt, ob der Knoten noch platzt oder, ob ich die nächsten 10 Jahre einen dritten Job an der Backe habe…

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