Kompetenzgemütter

Vergangene Woche ist mir wieder eingefallen, warum ich den Kontakt zu anderen Hunde- und Kinderbesitzern weitestgehend meide. Damit meine ich nicht die netten Mamas, mit denen ich mich hin und wieder (einzeln!) verabrede und ein Käffchen trinke. Ich meine vielmehr dieses Elternzeit Zeittotschlag-Programm, das ich mir selbst auferlegt habe, um das Gefühl zu haben, etwas Sinnvolles inklusiver sozialer Interaktion zu tun. So habe ich einen Babyschwimmkurs gebucht, in dessen Folge ich in einer wöchentlichen Krabbelgruppe landete. Das ist wohl ein sozialer Dominoeffekt.

Gleich beim ersten Treffen der Krabbelmuddis schlug mein Quacksalver-Aluhut-Alarm an, als eine der Mütter vom Impfen abriet. Ich dachte mir nur, ok dein Kind wird niemals mit meinem spielen dürfen. Hielt aber ansonsten brav die Klappe. Interessant übrigens, dass es trotz Thermomix-Impfgegner-Fraktion niemanden gibt, der es auf sich nimmt mit Stoffwindeln zu wickeln, geschweigedenn die 6 Kilometer bis zum Treff mit dem Fahrrad zu kommen. So weit geht die Liebe zum Planeten dann für die meisten doch nicht. Aber vielleicht hat auch jeder nur eine begrenzte Menge Glauben übrig. Und wenn der schon für Homöopathie und die Illuminaten drauf geht, dann reicht er eben nicht mehr, um an bessere Ökobilanzen zu glauben.

Jedenfalls sind diese Treffs nicht gerade eine Zusammenkunft weiblicher Intelligenzbolzen. Aber wozu braucht man schon Hirn, wenn man Milch hat. Und damit man auch ja nie wieder zu seiner alten Form zurückfindet, wird der Babybody weiterhin mit Kuchen und klebrig süßen Tee geformt. Igitt. Und die Gespräche sind entsprechend einseitig. “Stillst du noch?”; “Wie alt ist Mia jetzt?”; “Wir sind jetzt schon bei Windelgröße 3!”; “Sie ist tatsächlich erst 3 Monate alt. Sie hatte zur Geburt ja schon 5 Kilo!” usw… Ja, vielleicht wäre es auch etwas viel verlangt, einen Tag nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle über etwas anderes als Babyfürze zu reden.

So kam das Thema irgendwann auf Koliken bei dem einen Kind und eine Gedeihstörung bei dem anderen. Ich riet der Muddi mit dem Pupser zu BiGaia-Tropfen und der Frau, deren Kind nicht so recht zunehmen möchte, selbst Omega-3 einzunehmen um vielleicht um das Abstillen herum zu kommen. Da wir ja alle vom Stillen und dem Schlafentzug einen poröses Erinnerungsvermögen haben, schrieb ich meine Empfehlung anschließend in die obligatorische WhatsApp-Gruppe. Ich dachte mir, die beiden, mit denen ich mich unterhalten hatte, werden sich schon angesprochen fühlen. Prompt kam ein Einwurf von dem faktophoben Alphaweibchen, die meinte, für genügend Omega-3 würde es reichen, Fisch zu essen. Anschließend bombardierte sie die Gruppe mit Fotos ihrer nutzlosen Hausapotheke, bestehend aus Osanit-Zahnungszuckerkügelchen, Wala-Antifurz und Weleda-ich-glaube-nicht-an-Temperaturen-über-38-Grad-Fieberzäpfchen. Das beste waren noch die Rescue-Tropfen, dessen geistig umnachteter “Erfinder” Herr Bach anno Fuffzehnhundertknäckebrot durch die Wiesen streifte und intuitiv -also wahllos- Blumen ausriss und ihnen eine Wirksamkeit zusprach, die nicht über den Placeboeffekt hinaus geht. Die Globuli-Mama empfahl dann auch noch, die Version Bachblüten ohne Alkohol zu nehmen…

Obwohl sie mich echt getriggert hat, quittierte ich ihren Erguss mit Schweigen. Wie all die anderen Gruppenmitglieder…

Noch fünf Monate bis zum Ende der Elternzeit. Manchmal finde ich es bedauerlich, meine sehr wahrscheinlich letzte Elternzeit im Leben, nicht besser genießen zu können. Aber vielleicht bin ich auch reflektiert genug, um meine Grenzen zu erkennen. Auch wenn ich mein Bestes gebe, meine Kinder zu fördern, sie brauchen definitiv eine Welt, außerhalb meines Dunstkreises. Tatsächlich habe ich vergangene Woche eine Zusage für einen Krippenplatz bekommen. Die Einrichtung in die bereits das kleen Froillein ging als wir noch in Freiburg wohnten, wird sich unseres kleinen Mannes annehmen. Das sind anderthalb Stunden Fahrtzeit pro Tag für ihn. Und das ist alles andere als ideal. Dennoch bin ich erleichtert, dass ich theoretisch ab März wieder anfängen könnte, wenn alle Stränge reißen und ich/wir keinen neuen Job in der alten Heimat finden.

 

 

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