Heparin ohne Blaue Flecken

Heute möchte ich mich mal an einem kleinen Online Tutorial versuchen. Ein DIY sozusagen für alle, deren Gerinnung es Notwendig macht, sich täglich die kleine Spritze zu setzen. Ich vermute, fast jeder Zweite wird im Laufe seines Lebens mal in die Situation kommen, sich für ein paar Wochen oder sogar Monate selbst Heparinisieren zu müssen, sei es wegen eines Unfalls mit einhergehender Immobilisierung oder eben aufgrund erhöhter Thromboseneigung während einer Schwangerschaft. Fakt ist, alles Jammern und Zaudern hilft nichts, das Spritzen muss sein und vorallem muss man lernen sich zu überwinden, die Spritzen selbst zu setzen. Schon oft habe ich gehört und gelesen, dass die Aufgabe vom Partner übernommen wird. Das mag vielleicht noch funktionieren, solange es sich um ein, zwei Wochen handelt, in denen man sich vor Blutgerinnseln schützen muss. Über einen Zeitraum von Monaten wird es jedoch schwierig werden, jeden Tag zur selben Zeit jemanden aufzutreiben, der einen bereitwillig massakriert. Daher mein erster Tipp:

  • Lernt, euch selbst zu spritzen! Heparin sollte nach Möglichkeit jeden Tag zur selben Zeit gespritzt werden. Das kann nur gewährleistet werden, wenn ihr nicht von anderen abhängig seid. Einen Pflegedienst zu beauftragen, wäre die andere Option…aber möchtet ihr das?

Die gängigen Heparin-Präparate machen es einem wirklich nicht schwer, die Spritze richtig zu setzen. Obwohl es im Krankenhaus ab und an vorkommen kann, dass das Mittel von Hand aufgezogen werden muss, gibt es für zu Hause perfekt vorbereitete Fertigspritzen. Das Heparin ist dann schon in der optimalen Dosierung in der Spritze vorhanden. Die Nadel sitzt mit einer Kappe fest installiert oben auf. Bei vielen Spritzen wird durch komplettes Durchdrücken des Kolbens ein Mechanismus ausgelöst, der eine Plastikhülse vorschnellen lässt und die gebrauchte Kanüle dadurch unschädlich macht. Trotzdem müsst ihr euer Spritzenabenteuer ein wenig vorbereiten, bevor es losgeht. Legt euch alles bereit, was ihr braucht:

  • Fertigspritze, Alkoholtupfer zur Desinfektion, Taschentücher falls es danach blutet, ein Gummibärchen für hinterher

Nun müsst ihr euch entscheiden, an welcher Stelle eures Körpers ihr die Spritze platzieren wollt. Riesig ist die Auswahl hierbei nicht, denn für subkutane Injektionen – also spritzen unter die Haut, eignen sich am besten die Regionen unterhalb des Bauchnabels und die äußeren Seiten der Oberschenkel. Frauen in der Schwangerschaft bevorzugen wegen der Nähe zwischen Bauchdecke und Kind oft den Piekser in die Oberschenkel. An dieser Stelle sei noch mal erwähnt, dass die Nadeln auf den Fertigspritzen wirklich nur bis zu den unteren Hautschichten bzw. der Fettschicht darunter durchdringen können. Keine Angst, auch wenn es so wirkt, die Nadel kommt nicht auf der anderen Seite wieder heraus.

Wenn ihr euch zwischen Bauch und Oberschenkeln entschieden habt, sucht euch eine passende Stelle:

  • Die Injektionsstelle sollte frei von Pickeln, blauen Flecken oder Besenreißern sein
  • Es sollte sich problemlos eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden lassen
  • Mir ist aufgefallen, dass die Injektion schmerzhafter ist, wenn man eine Stelle erwischt, die beim Zusammenkneifen Cellulite-Dellen bekommt

Nun reißt ihr die Umverpackung -falls vorhanden; der Fertigspritze auf und holt den Alkoholtupfer aus seinem Kuvert. Auch die Kappe muss noch von der Kanüle gezogen werden. Wenn  ihr es macht, bevor ihr desinfiziert, dann müsst ihr mit der scharfen Spritze in der rechten Hand die Injektionsstelle desinfizieren (Alternativ dazu kann die Kappe auch nach der Desinfektion mit den Zähnen abgezogen werden, denn die linke Hand hält ja bereits die Hautfalte.) An der Injektionsstelle jetzt mit der linken Hand  eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger bilden und mit einer Wischbewegung desinfizieren. Nun:

  • Unbedingt warten bis das Desinfektionsmittel verdampft ist, sonst brennt es
  • Befindet sich die Luftblase direkt vorm Ausgang, klopfe ich sie vor Injektion nach oben. Aber keine Angst, so geringe Mengen Luft verursachen keine Luftembolie!
  • Sollte an der Kanüle bereits ein Tropfen hängen, dann streiche ich den an einer Ecke des benutzten Alkoholtupfers ab., das Verhindert m.E. unnötiges Brennen. Da sich unser Spritzenabenteuer zu Hause abspielt, muss es zwar hygienisch aber nicht so steril zugehen, wie im Krankenhaus.

Als nächstes tief einatmen und beherzt im 90 ° Winkel einstechen. Wichtig:

  • Während der gesamten Injektionsdauer unbedingt die Hautfalte belassen!
  • Die Nadel muss bis zum Anschlag in der Hautfalte stecken. Wer sich schon mal versehentlich zwischen die Hautfalten gespritzt hat, wird das sicher nie wieder tun.
  • Den Kolben gaaaaaaaaanz langsam herunter drücken oder sogar kleine Klopfbewegungen mit dem Zeigefinger auf den Kolben ausüben. Dadurch gelangt das Mittel nur Tröpfchenweise in das Gewebe und verursacht weniger Brennen und blaue Flecken.
  • Hautfalte belassen und Spritze raus ziehen.
  • Hautfalte loslassen. Spritze entschärfen bzw. sicher verwahren und entsorgen.
  • Wenn es blutet, sofort mit einem Taschentuch drauf drücken.

Wer über sehr lange Zeiträume Heparin spritzen muss, der wird früher oder später kleine, schmerzhafte Knubbel an den Injektionsstellen unter der Haut spüren. Es handelt sich dabei vermutlich um eine kleine Unverträglichkeits- oder Abwehrreaktion des Körpers und ist meist harmlos. Dabei muss der Körper gar nicht spezifisch auf das Mittel  reagieren, als vielmehr auf die Tatsache, dass da überhaupt was unter die Haut appliziert wird, was da eigentlich nicht hingehört. Da der Verlauf der Heparingabe in regelmäßigen Abständen durch Blutuntersuchungen beim Arzt kontrolliert wird, kann eine Allergie ausgeschlossen bzw. frühzeitig erkannt werden. Außerdem treten echte Unverträglichkeiten in den ersten Wochen nach Beginn der Heparinisierung auf. Daher wird ganz zu Anfang auch drei Mal im Abstand weniger Tage Blut abgenommen. Das heute verwendete Heparin ist zudem besser verträglich, auch wenn es nach wie vor vom Schwein stammt. Geht zum Arzt, wenn:

  • Das Spritzen plötzlich starke Schmerzen verursacht
  • Starke, evtl. unstillbare Blutungen aus der Injektionsstelle austreten
  • (Vermehrtes) Nasenbluten auftritt
  • Ihr plötzlich schnell blaue Flecken bekommt

Eure gepiesakten Oberschenkel bzw. Bäuche haben nun ein bisschen Pflege verdient. Meine Beobachtung hat gezeigt, dass blaue Flecken schneller verschwinden, wenn man die Hautstellen unter der Dusche gut abbürstet. Die ganz Harten können sich auch kalt abbrausen. Beides fördert die Durchblutung und hilft, das ins Gewebe gespülte Blut (denn nichts anderes ist ein blauer Fleck) abzutransportieren. Auch Massagen mit Öl oder Lotion können wohltuend sein.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass diese Anleitung hier nur eine Ergänzung zu der Anleitung sein soll, die euch euer Arzt, Apotheker bzw. der Hersteller des Medikamentes gegeben hat. Ich will euch damit meine Methode näher bringen, wie ich versuche hässliche blaue Flecken und fiese Schmerzen zu vermeiden. Bei sehr schlechtem Bindegewebe, helfen wahrscheinlich alle Tipps der Welt nix. Dann heißt es nur noch, warten auf heparinfreie Zeiten.

 

6 thoughts on “Heparin ohne Blaue Flecken”

    1. Hey! Ja, die Luftblase lass ich auch drin. Ich klopf sie allerdings nach oben in Richtung Spritzenkolben. Dort bleibt sie dann auch drin, bis die Spritze entleert ist. Bei meinen Clexane-Dingern schwimmen die Blasen sehr oft direkt über der Kanüle. Dann ist die Luftblase natürlich das Erste, was ich mir ins Bein jage. Da ich das nicht mag und ich vermute, dass dann eben ein Rest Flüssigkeit zurück bleibt, klopfe ich die Blase nach oben.

  1. Nur zur Anmerkung:
    Ihr braucht Euch bei einer s.c. Injektion (das heißt unter die Haut spritzen) NICHT vorher desinfizieren! Und ihr könnt Euch so viel Luft ihr wollt ins Bein oder in den Bauch spritzen… Es passiert NICHTS!

    All die Dinge wie Desinfektion und Luftembolie treffen hier nicht zu- dass sind Dinge, die zu beachten sind, wenn man i.v. (In die Vene) injiziert!

    Gruß

  2. Danke für die Tipps…ich spritze seit 7 Monaten und habe immer mit blauen Flecken und…Gnubbels..zu kämpfen…seit einigen Tagen spritze ich ein anderes Mittel und plötzlich fühle ich einen stechenden brennenden Schmerz an einer EinstichStelle der Verdickung…ich massiere -aber es hat sich noch nichts gebessert–werde nun den Rat mit der Dusche versuchen-mein nächster Kontrolltermin ist erst in 3 Wochen..

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