Salto mortale

Ein mal weggeschaut und plötzlich machte es RUMMMS. Da lag der kleine Mann heulend, wie ein Käfer auf dem Rücken. Und ich war mindestens genauso geschockt. Natürlicherweise versucht man die Schuld woanders zu finden. Bei meinen Eltern ist die Wickelsituation eher ungünstig. Bisher hat lediglich mein Rücken unter dem Provisorium gelitten. Ich muss den Kleinen auf meinem Bett wickeln und die Utensilien dafür am besten VORHER zurecht legen. Dann fehlt aber doch noch eine frische Strumpfhose und wo war doch gleich der Pulli? Ah zum Trocknen über die Heizung gehangen. Gut, der Herr ist gerade damit beschäftigt, sein Gemächt zu erkunden. Dann kann ich ja ganz kurz den einen Schritt zur Heizung gehen. Und….ein Moment zu viel. Da war es schon geschehen und wir beide total aufgelöst.

Nach fünf Minuten hatten wir uns beide dank (groß)elterlicher Unterstützung wieder eingekriegt und ich konnte klar denken. Mein Vater packte schon Proviant für die Notaufnahme ein, als ich mich entschloss bei unserer Kinderärztin anzurufen. Die Sprechstundenhilfe empfahl, zum nächsten Kinderarzt zu fahren. Das haben wir dann auch gemacht.

Die kosmische Strafe für meine rabenmütterliche Unaufmerksamkeit wurde sogleich mit einem überüberübervollen Wartezimmer bestraft. Eins vorweg: es waren alle überaus freundlich zu uns. Keiner machte mir Vorwürfe. Aber eine derart miserable Sprechstundenorganisation habe ich noch nie erlebt. Dort saßen total ermattete Kinder mit Kotztüte (die auch rege benutzt wurde) neben Neugeborenen, die zur U-Untersuchung einbestellt waren. Keiner hatte einen Termin. Behandelt wurde wahrscheinlich teils nach Reihenfolge, teils nach Dringlichkeit. Wenn ich nicht die Runterfall-Mutter gewesen wäre, hätte ich mich beschwert. So hab ich lieber die Zähne zusammen gebissen und gehofft, dass die dreißig anderen Patienten das Norovirus-Aerosol aufschnüffeln, bevor es uns erreicht. Dafür trieften direkt neben uns zwei Kinder mit Bindehautentzündung vor sich hin. Auch eklig.

Immerhin kamen wir nach nur einer Stunde Warten dran. Der Arzt, ein älterer Herr, sah den Sturz relativ gelassen. Das Bett hat zum Glück nur Kniehöhe und mein kleiner Artist ist nicht mit dem Kopf voran gefallen, sondern beim Rumrollen auf Rücken und Hinterkopf gelandet. Auch nicht schön. Aber glimpflich abgelaufen. Ein schlechtes Zeichen ist, wenn Kinder nach einem Sturz bewusstlos sind. Auch Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Desorientierung, Verhaltensänderungen, Trinkschwäche bei Babys können auf ernsthafte Probleme hindeuten.

Stürze können echt dumm ausgehen. Daher ist es das Beste, es kommt nicht dazu. In Zukunft werde ich das Wickeln auf den Fußboden verlegen, wenn ich sonst keine Möglichkeit habe. Vor Unfällen ist man jedoch nie gefeit. Zwei Tage später machte das kleene Froillein einen Abgang von der Sofalehne und bremste mit der Stirn, Beule inklusive. Immerhin kann sie sich schon artikulieren und den Finger-zu-Nase-Test machen. Auch hier Glück im Unglück gehabt und keine GehirnerschüGehirnerschütterung.

 

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