Verdrängung…(6. Monat)

Oder war es damals mit dem kleenen Froillein genauso schlimm? Gerade lese ich mir alte Beiträge durch und hoffe, einen Hinweis darauf zu finden, wie die Nächte im sechsten Monat mit ihr waren. Denn seit etlichen Wochen existieren für mich eigentlich keine Nächte mehr und so langsam keimt in mir der Verdacht auf, dass diese Episode, die Horrornächte mit unserer Number One übertrifft. Das letzte mal fünf Stunden am Stück geschlafen habe ich vor ca. 7 Wochen. Danach wurde es von Tag zu Tag schlimmer. Nun sind wir soweit, dass Missjö bereits am halb neun stündlich aufwacht. Ach nein,  was sage ich. Es ist ja nun viertel Zehn und wir waren bereits zweimal bei ihm. Also kann ich mich diese Nacht darauf einstellen,  halbstündlich geweckt zu werden. Katastrophal! Dabei habe ich mich so auf morgen gefreut, mich mit einer Freundin zum Frühstück zu treffen. Sicher werde ich trotzdem hinfahren. Die Frage ist, ob wir lebend ankommen. Vor zwei Tagen wäre ich beinahe mit dem Gegenverkehr kollidiert, weil ich -unkonzentriert und übermüdet wie ich bin- ein Auto übersehen habe. War ein Mercedes. Das wäre wirklich schade gewesen.

Ich bin total ratlos, was ich noch machen soll. Der kleene Mann wacht auf, fängt sofort an zu schreien und jeder Versuch, ihn zu trösten, lässt ihn nur noch hysterischer werden. Es sei denn, ich lege ihn an. Was vor einer Woche wenigsten für zwei Stunden vorgehalten hat, wirkt jetzt nur noch eine Stunde, teilweise kürzer. Ich habe ihn also dauerhaft am Nippel und das ist extrem nervig. Am nächsten Morgen fühle ich mich wie ein ausgelutschter Kaugummi. Da ich langsam gewichtsmäßig in einen kritischen Bereich komme, schlucke ich wieder Omega 3. Das hilft, wenigstens ein paar Reserven zu behalten und nicht gleich beim kleinsten Lüftchen krank zu werden.

Auch das Thema Infekte hat uns schneller ereilt, als es bei der Erstgeborenen der Fall war. Der Kleine hat sich nun zum dritten Mal einen Schnupfen eingefangen. Bis jetzt halte ich dank Zink und Vitamin C noch die Stellung, rechne aber fest damit, dass es nur noch zwei, drei miese Nächte braucht, bis es mich auch niederstreckt. Sicher trägt die Erkältung ihren Teil zum nächtlichen Geplärr bei.

Dabei haben Missjö und ich nun zwei mal die Woche gesellschaftliche Verpflichtungen, denen wir nachgehen müssen. Montags ist Babyschwimmen angesagt und Donnerstags Krabbelgruppe. Im Vergleich mit den anderen Babys schneidet der Herr nicht unbedingt gut ab: die um Wochen jüngeren Kinder können sich bereits drehen und schlafen allesamt besser. Ich bin wieder mal die einzige, die so dermaßen am Arsch ist. Dabei habe ich mich beim kleenen Froillein immer damit getröstet, dass sie nur so anstrengend ist, weil sie sich so schnell entwickelt. Und nun habe ich diesen kleinen Faulpelz, der nicht den Anschein erweckt, Interesse an Fortbewegung zu haben und der mir trotzdem die Nächte um die Ohren haut. Er dreht sich seit etwas mehr als einer Woche auf den Bauch und wenn es ihm beliebt auch zurück. Während das Froillein sofort nach der Bauchdrehung den Popo in die Luft streckte, sitzt der Herr eher versteinert auf der Stelle oder wedelt im Schwimmstil hilflos mit Armen und Beinen. Immerhin kann ich ihn zumindest unter Aufsicht frei hinsetzen. Die Balance hält er schon eine ganze Weile und hat die Hände in aufrechter Position frei, was ihm eine faszinierende neue Perspektive auf sein Spielzeug ermöglicht.

Manchmal habe ich den Verdacht, dass die Kombination aus höherem Körpergewicht, Stoffwindeln und seiner Leistenbruchvergangenheit ihm ein paar Wochen Fortschritt gekostet haben.

Im Gegensatz zu seiner großen Schwester, betrachtet er viele Dinge lange und intensiv. Er scheint eher zu den Forschern und Denkern zu gehören. Er plappert wenig, ist aber trotzdem ein aufgeweckter Zeitgenosse. Wie das Froillein freut er sich über jedes menschliche Gesicht und liebt die Gesellschaft anderer Kinder. Beim Essen bevorzugt er lieber bissfeste Stücken, als zu tote pürierte Breis. Die beiden Beißerchen möchten schließlich was zu tun haben. Bisher probiert er sich noch ganz unbeirrt durch unser Nahrungsangebot durch und hat noch keine Mäkeleien entwickelt.

Ach wenn er mich doch nur vier Stunden am Stück schlafen ließe…

 

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