28. SSW Zeit für Nestbautrieb

Die neue Wohnung ist bezogen. Die alte Bude erfolgreich und in ordnungsgemäßen Zustand abgegeben. Nun sind noch gefühlte 50 Kartons auszupacken und 300 Dübellöcher zu bohren, was bekannter Maßen im Altbau kein Zuckerschlecken ist. Wer Kieselsteine braucht, wende sich an uns: Unsere Wand produziert Kiesel in allen erdenklichen Größen und Formen beim Bohren, wie eine Legehenne im Dauerlicht.

Während mein Mann mit aller Gelassenheit seine CDs einsortiert und die Anlage anschließt, werde ich fast verrückt, dass das potentielle Kinderzimmer immernoch einem Schlachtfeld gleicht. Mein gehemmter Nestbautrieb verdirbt mir regelrecht die Laune. Und ich sehe es schon kommen, dass ich bald Zweige, Äste und Stroh zusammentrage und mir ein Lager unterm Hollerbusch im Garten einrichte, wenn ich nicht endlich dazu komme die Wickelkommode zu streichen, eine Krabbeldecke zu nähen und kitschige Vorhänge ans Fenster hängen kann!

Immerhin gehen wir nun wöchentlich zum Geburtsvorbereitungskurs, wo ich meiner Schwangerschaft frönen kann. Vergangenen Montag fand der erste Termin statt und wie ich bereits befürchtet hatte, bin ich tatsächlich die mit dem kleinsten Bauch. Nun bin ich zwar auch gemeinsam mit einem anderen Schwangeren eine der übereiligsten Teilnehmerinnen -die also erst Ende Mai dran sind, dennoch hätte ich gehofft, bei ihr sähe man ebenfalls so wenig. Mein Mann hat da ganz andere Probleme: Er ist mit 37 Jahren der älteste im Sein und Werden begriffene Vater. Das wäre ihm in Hamburg sicher nicht passiert…

Bevor ich nun mit meiner Mini-Kugel ins letzte Trimenon starte, möchte ich noch einmal meine Schwangerschaftszipperlein der letzten Wochen zusammen fassen. Kurz vor Weihnachten, in der 18. SSW, habe ich begonnen mein Kind regelmäßig und deutlich zu spüren. Trotz Vorderwandplazenta war ich damit für eine Erstgebärende recht zeitig dran. Bis heute spüre ich ihre Bewegungen hauptsächlich rechts (vermutlich weil die Plazenta eher links liegt), selten über dem Nabel. Manchmal fühlt es sich an, als würde mich Madame von Innen auskitzeln, ab und an, als benutzte sie meine Blase als Trampolin. Häufig habe ich auch Schmerzen in der rechten Seite und schon Angst bekommen, es könnte der Blinddarm sein. Temperatur innen aus außen waren jedoch in Ordnung, weshalb ich davon ausgehe, dass durch die bevorzugte Lage der Kleinen mein Innerstes etwas strapaziert ist.

Mit Beginn der spürbaren Kindsbewegungen gesellten sich dann auch die harten Bäuche auf meine No-Go-Liste. Mit viel Magnesium und Bryophyllum und Meiden gewisser Nahrungsmittel habe ich es bisher gut im Griff. Der Gedanke, dass die Gebärmutter diese Bewegungen -wie jeder Muskel, zum Wachsen braucht beruhigt mich zusätzlich. Als sich die harten Bäuche entspannten, bekam ich Schmerzen in der Symphysengegend. Auch das hat sich derzeit gut gebessert. Ob es nun an der Physiotherapie oder Cartilago gelegen hat, wer weiß?

Mein Blutdruck ist seit Beginn der Schwangerschaft unverändert niedrig. Morgens habe ich doch tatsächlich arge Kreislaufprobleme unter denen meine Standhaftigkeit an manchen Tagen sehr leidet. Schon häufiger musste ich die Beine hoch lagern, damit die Lichter an bleiben.

Gewichtsmäßig konnte ich nun die 60-Kilo-Marke knacken. Insgesamt habe ich damit bisher “nur” 5 Kilo zugenommen, reicht aber aus, damit die Hosen nicht mehr passen und mein Hintern die Schlüpfer frisst. Ansonsten halten sich die körperlichen Veränderungen noch im Rahmen. Bis jetzt konnte ich noch keine Streifen entdecken und selbst die Pigmentierung meiner Mittellinie ist eher nordisch blass.

Und da wäre noch die Sache mit der Libido auf deren Erblühen ich seit Beginn des zweites Trimesters sehnsuchtsvoll gewartet habe. Vergeblich! Was so verheißungsvoll in jedem x-beliebigen Schwangerschaftsratgeber für das mittlere Drittel angekündigt wird, ist bei mir ausgeblieben. Ganz im Gegenteil, ist die Lust jetzt sogar geringer, als in den ersten 12 Wochen. So ganz habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht in den nächsten Wochen noch zum wollüstigen Weib zu transformieren. Wenn ich aber daran denke, wie es mir die letzten Male nach dem Coitus ergangen ist, dann verliere ich den Glauben daran. Ganz gleich, ob der Sex super-duper, gemütlich oder so naja war, danach habe ich das Gefühl mein Unterleib fällt auseinander. Der ganze Beckenboden scheint eine Liaison mit dem Erdboden eingehen zu wollen und alles zieht nach unten. Dazu bekomme ich für etliche Stunden ein Ziehen über beide Pobacken, dass Stehen und Laufen keine Freude mehr sind. Nur Sitzen und Liegen ist dann angenehm. Ist das schon ein Zeichen für eine Beckenbodeninsuffizienz? Wird mir mit 30 meine Gebärmutter beim Toilettengang Guten Tag sagen? Oder sind es womöglich Krampfadern?

 

 

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