Es ist Januar und der erste Stimu-Zyklus für Kind Nummer 2 hat begonnen. Eigentlich hatten wir vorgesehen, damit im Dezember zu beginnen. Meine Periode kam jedoch einen Tag später als erwartet, sodass mein Eisprung vermutlich mit den Betriebsferien unseres Reproduktionszentrums kollidiert wäre. Den Stress wollte ich mir kurz vor Weihnachten dann doch nicht geben. Und vielleicht ist es auch ganz gut im neuen Jahr mit neuen Vorhaben zu starten.
Weihnachten war dann noch mal ne harte Nummer mit der Familie und der ständig schwangeren Schwägerin. Kind Nummer vier soll dann auch das ersehnte Mädchen werden. So viel Glück, dass man vor Freude nur noch kotzen möchte. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht, warum es für mich immernoch schmerzhaft ist, wenn andere Frauen schwanger werden. Ich habe gehofft, durch die Geburt meiner Tochter würde ich von diesem Gefühl der Unzulänglichkeit geheilt werden. In Wahrheit sitzt diese Infertilität wie ein böser Stachel in meiner Seele. Nur eine spontane Schwangerschaft hätte mir mein Gefühl eine vollwertige Frau zu sein, zurück geben können. Es fällt mir lediglich leichter, mit der Kinderwunschbehandlung umzugehen. Ich versuche nicht groß über die Nebenwirkungen der Medikamente nachzudenken, über die Endlichkeit der Versuche und das, was danach kommt. Alles sehr rational. Spritzen, Termine machen, zu den Untersuchungen hetzen, dazwischen arbeiten. Ach ja, und dann gibt es ja noch meine Beziehung. Die letzten Jahre haben deutliche Spuren an der Beziehung zwischen mir und meinem Mann hinterlassen. Die Kinderwunschstory, die Umzüge, das Schreikind. Und nein, wir gehören nicht zu denen, die sich grinsend in den Armen liegen und behaupten, das alles hätte uns zusammengeschweißt. Ganz im Gegenteil. Diese -im Motivationstrainer-Sprech als Herausforderungen bezeichnete- Kackscheiße, hat uns zermürbt und kaputt gemacht. Es gab nur einen Grund, weshalb ich meine Sachen nicht gepackt habe und das waren weder mein Kind noch die schönen grünen Wälder. Nur wegen meines Jobs bin ich noch hier. Aber ich habe mich nun entschieden zu bleiben, wegen meines Mannes und meines Kindes. Und wir haben uns entschieden, noch ein zweites gemeinsames Kind zu haben. Wenn sich fertile Paare nicht verstehen und ein weiteres Kind bekommen, dann ist das halt passiert. Wenn sich infertile Paare nicht verstehen und zur Kinderwunschbehandlung gehen, dann schüttelt vermutlich jeder den Kopf drüber. Ich habe Anfang des vergangenen Jahres noch gehofft, wir würden zu denen gehören, bei denen es einfach so passiert. Leider war dem nicht so und ich habe den Anruf in der Kinderwunschklinik lange herausgezögert, da es zwischendurch immer wieder Tiefs gab, in denen es mir lächerlich vorkam, all die Zeit und das Geld in eine Schwangerschaft von einem Mann zu investieren, mit dem ich vielleicht gar nicht mehr zusammen sein möchte. Im Sommer sind wir dann zur Eheberatung gegangen. Schließlich wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte es nicht versucht. Ein wenig hat sich unsere Beziehung dadurch stabilisiert und ich konnte guten Gewissens den Termin in der Repro machen. In den drei Monaten Wartezeit konnten wir dann noch viele Streitigkeiten ausfechten und ich habe nicht nur einmal überlegt, das Erstgespräch abzusagen. Momentan läuft es ganz gut zwischen uns und ich denke, wir sind zumindest genauso bereit für ein zweites Kind, wie ein kriselndes fertiles Paar 🙂 Mit Sicherheit werden wir uns früher oder später wieder in der Wolle haben, wir werden uns aber auch wieder vertragen und vielleicht werden wir irgendwann auch mal auseinander gehen, vielleicht bleiben wir aber auch für den Rest unseres Lebens zusammen. Und ich nehme mir jetzt mal das Recht einer fertilen Frau raus und lass es einfach passieren…die Stimu, die Insemination und so 😀