Schreikind wird Schulkind

Nun bin ich im Mutterschutz angekommen und habe nicht viel über den Schlawiner zu berichten. Die Kisten mit den kleinen Babysachen stehen ganz vorne an der Dachbodenluke, die alten Flaschen und vom Froillein unangetasteten Schnuller sind ausgekocht, die Stoffwindeln gewaschen und deren Klettverschlüsse erneuert. Weder Kinderbett, noch Wickelkommode sind aufgebaut…Ja beim zweiten Kind ist man vielleicht wirklich gelassener oder hat einfach so viel um die Ohren, dass solche Details warten müssen. Unserer Erfahrung nach, werden Kinderbetten sowieso vollkommen überbewertet…

Beine hochlegen ist jedenfalls nicht angesagt! Vergangene Woche bekam ich in der Kita den Brief für Froilleins anstehende ESU in die Hand gedrückt. Es wird also tatsächlich bald ernst, denn ESU steht für Einschulungsuntersuchung. Im Mai wird die kleine Große fünf Jahre alt. Etwa anderthalb Jahre vorm planmäßigen Schuleintritt werden die Kinder auf Ihre „Schulfähigkeit“ hin untersucht. An einer solchen Untersuchung musste ich Anfang der 90er auch als fünfjährige teilnehmen. Da ich mich aber nur noch dunkel an deren Inhalt erinnern kann, habe ich das Google-Universum bemüht, mir einen Einblick in den Inhalt und Ablauf der ESU zu ermöglichen. Unsere Aufgabe als Eltern besteht -neben der Anforderung, gute Eltern zu sein- lediglich darin, Einwilligungserklärungen zu unterschreiben und alle medizinischen Unterlagen, sprich U-Heft und Impfbuch, zu liefern. Die Erzieher aus der Kita müssen Berichte zur Entwicklung schreiben und der Arzt erhebt schließlich am Untersuchungstag Daten zu Motorik, Sprache, Mengenerfassung, Malverhalten, Sehen, Hören, Größe und Gewicht.

Ich bin überzeugt, für das kleene Froillein wird es vermutlich keine große Hürde darstellen, pünktlich eingeschult zu werden. Dennoch kenne ich ihre Defizite, die mich manchmal etwas besorgt machen. Da wären zum einen ihre legendären Wutanfälle. Manchmal regt sie sich über -in unseren Augen- Kleinigkeiten so dermaßen auf, dass es fast unmöglich ist, zu ihr durchzudringen. In solchen Momenten erinnert sie mich stark an das Baby von einst, dessen Schreien durch nichts zu stillen war. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit, denn es war heute, war der zusammengeklappte Eierkuchen, aus dem beim Schneiden das Apfelmus hervorquoll. So hatte sie sich das NICHT VORGESTELLT!!! Fünf Minuten Zeter und Mordio! Solche Situationen gibt es bei uns immer wieder: Wenn die Wurstscheibe beim Rausnehmen aus der Verpackung einreißt, die Aufkleber nicht mehr kleben, die Cornflakes alle sind, sie beim Ausmalen drüber malt, das falsche Lied von der Elsa CD abgespielt wird… das Kind hat nach wie vor eine Frustrationsschwelle, die irgendwo unter dem Meeresspiegel liegt. Und in solchen Momenten bin ich mir ncht sicher, ob sie sich bis zur Schule in den Griff bekommt. Dabei befürchte ich noch nicht einmal, dass sie das Klassenzimmer in ihrer Wut zerlegt. Tatsächlich können ihre Erzieher sich kaum vorstellen, dass sie sich zu Hause derart gibt. Außer Haus scheint es meistens zu funktionieren. Wenn ich mir allerdings vorstelle, mit ihr Hausaufgaben machen zu müssen…dann wird mir ganz schlecht. Vielleicht sollten wir ihr Zimmer, sobald sie ein Schulkind ist, zum Schallschutzbunker mit Gummiwänden umfunktionieren.

Doch das kleine Schreimonster hat auch viele tolle Eigenschaften. Was schon als Baby bei ihr zu beobachten war, ist die stark ausgeprägte soziale Ader. Sie liebt es, unter Menschen zu sein. Nach der Kita möchte sie am liebsten gleich weiter zu ihren Freunden ziehen. Dabei spielt es für sie keine Rolle, ob sie mit Mädchen oder Jungs spielt. Motorisch ist sie gut drauf. Mittlerweile wirft und fängt sie besser, als ihre Mama! Fahrradfahren hat sie mit drei Jahren gelernt. Auch für Fitzelkram scheint sie eine Affinität zu haben. Sie bastelt hingebungsvoll mit Bügelperlen und puzzelt in der Kita geduldig und ohne fremde Hilfe. Zu Hause beschäftigt sie sich hingegen kaum eigenständig. So langsam beobachte ich bei ihr ein freies Spielen. Meist aber nur in Situationen, in denen sie eigentlich etwas anderes machen soll: Auf dem Klo, beim Frühstück oder neulich beim Haare föhnen. Dabei wird den Bademantelärmeln oder Frühstückscerealien Leben eingehaucht. Ansonsten quasselt sie den ganzen Tag. Der Morgen beginnt mit einem ausführlichen Bericht über ihre Träume und der Abend endet mit ebensolchen Berichten über schlechte Träume, die es absolut unmöglich machen, jetzt einschlafen zu können. Irgendwann legt sich aber auch über das aktivste Kind der Mantel der Müdigkeit und das Schreikind schläft friedlich und engelsgleich, als ob es nur lachen und singen könnte.

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