Abschied vom Außendienst.

Unfassbar, aber tatsächlich habe ich nur noch anderthalb Wochen zu arbeiten. Davon noch drei Feldtage, drei Tage Kick-off-Tagung und einen Bürotag. So langsam bekomme ich wirklich Muffensausen ob der Tatsache bald „arbeitslos“ zu sein. So war doch die Anstellung bei meiner Firma das einzig Gute, was mir hier im Südwesten widerfahren ist. Noch dazu war es meine allererste Arbeitstelle nach dem Studium. Meine Firma hat mir als junge Mutter und Berufseinsteigerin eine Chance zu fairen Konditionen gegeben. Ohne mein Gehalt hätten wir uns weder Urlaub noch Hobbys leisten können. Meist waren die Kontakte zu meinen Kunden, die einzigen Sozialkontakte zu erwachsenen Menschen und deshalb um so wichtiger für mich zwischen Alltagswahnsinn, Kindergebrüll und Ehekrisen nicht durchzudrehen.

Nun neigt sich diese Episode meines Lebens dem Ende. Oder sie nimmt ihre Fortsetzung in einem Jahr wieder auf. Es wäre einfacher für mich, genau zu wissen, wo ich dann landen werde. Ich sehne mich nach meiner Heimat, muss aber nach und nach feststellen, dem einen oder anderen Irrglauben aufgesessen zu sein. Der Immobilienwahnsinn hat nun selbst den Osten fest im Griff, viele meiner Freunde haben mich auf „inaktiv“ gesetzt, meine Eltern sind alt geworden und ich habe das Gefühl sie gelangen bereits durch unsere Probleme an ihre nervlichen Grenzen. Hier bleiben ist für mich unvorstellbar. Vier Jahre hier und ich wüsste heute nicht, wo ich Nachts klingeln könnte, wenn die Welt untergeht. Selbst eine Begleitung für Sport, Freizeit oder Kino zu finden, ist für mich schier unmöglich. Dafür habe ich mich gut in meiner Einsamkeit eingerichtet. Fast jeden Tag esse ich alleine zu Mittag, zum Mountainbiken oder Joggen nehme ich den Hund mit, ins Kino kann ich ebenso alleine gehen. Sobald das Licht aus ist, sieht es ja keiner. Und wenn ich im Sommer ins Schwimmbad gehe, dann mit Kind als Alibi gegen das Alleinsein, das nach außen Versager schreit.

Nun hoffe ich, nicht vollkommen in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ich gebe mich der Illusion hin, von einer handvoll Kunden vermisst oder wenigstens nicht vergessen zu werden. Die alten Hasen im Phamabuisness können über meine naive Vorstellung vermutlich nur müde lächeln: Aus den Augen aus dem Sinn. Nach mir die Sintflut aus hundert anderen Referenten, die alle auch irgendwie nett sind.

 

 

1 thought on “Abschied vom Außendienst.”

  1. Oh Mensch, das tut mir echt Leid, dass ihr da keinen Anschluss gefunden habt. Sind die Leute so unkommunikativ? Gibt’s keine Vereine oder über die Kita?

    Vielleicht lernst du ja bei einem Babykurs ein paar Mamas kennen, im Sommer kann man doch super zusammen spazieren etc. Ist zwar nicht das Selbe wie ne langjährige Freundin, aber ein Anfang…

    Ich dachte auch, dass mich mehr Kollegen/Freunde in der Elternzeit besuchen würden. 🤷🏼‍♀️
    LG

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