TV-Tipp Kinderwunsch

Seit Samstag bin ich für ganze neun Tage allein mit dem Froillein hier am badischen Wurmfortsatz der Welt. Und da wir Meister im perfekten Timing sind, bekam ich prompt am Sonntag einen Magen-Darm-Infekt. Weniger Magen, dafür ganz viel Darm. Ich weiß nicht, ob es dem umwelt- und keimfreundlichen Wiederverwenden der Trinkhalme einer Lokalität geschuldet ist, dass ich von diesem abscheulichen Dämon heimgesucht wurde…Ein Tipp an besagte Gastwirte: Lieber einmal weniger das Auto benutzen, als Trinkröhrchen mehrmals. Danke.

Nun  lag ich also mit Kopf-und Gliederschmerzen in der Nähe einer Toilette rum und hab ein wenig fern geschaut, sofern es Madame zuließ. Dabei bin ich auf folgende Sendung gestoßen: Gewissensbisse auf dem MDR, mit dem Thema Todsünden, heute mit dabei: Neid. Mir war schnell klar, dass es sich zum Sonntag bei solch einer Sendung um Kirchenprogramm handeln muss. In der Hoffnung der liebe Gott möge Erbarmen mit mir und meinen Darmzotten haben, zappte ich trotz der pseudoreflektierten Moderatorin (Sabine Heinrich) nicht weg. Interessant wurde es, als eine Kinderwunsch-Frau vorgestellt wurde, die zugab schon einige Freundschaften auf Eis gelegt zu haben, weil sie deren Familienglück nicht ertragen konnte. Trotz der wirklich geschickten Argumentation der von Gott gesandten Moderationstante, a la: „Sei froh Mensch, du hast n Haus und n Mann.“ und „Genießt das Leben.“ Ließ sich die ungewollt Kinderlose irgendwie nicht so Recht vom linken Wege abbringen mit ihrem Neid und so. Einzig der Vorschlag Sabine Heinrichs, sich in Therapie zu begeben, stieß bei mir auf Zustimmung. Der Rest ließ mir einfach nur die Galle hochkommen. Selten so etwas Plattes und gezwungen Lockeres im Zusammenhang mit unerfüllten Kinderwunsch gesehen.

Obwohl wir das Glück hatten, bei der ersten IUI einen Volltreffer zu landen, den ich heute trotz aller Eskalationen liebe, kann ich solche Gefühle vollkommen nachvollziehen. Mich sticht es nach wie vor, wenn die Frauen um mich herum schwanger werden. Nichts kann ein (eigenes?) Kind ersetzen, wenn man sich dieses so innig wünscht. Kein Haus. Kein Job. Kein Mann. Und in meinem Fall muss ich sogar zugeben, dass mein kleenes Froillein die furchtbare Kinderwunschzeit nicht vergessen machen kann. Es ist halt einfach ein beschissenes Gefühl zu wissen, dass auf den eigene Körper kein Verlass ist. Auf „normalen“ Wege nicht schwanger werden zu können, stellt meine Weiblichkeit in Frage und lässt mich sogar an meinen mütterlichen Fähigkeiten zweifeln. So ist es immernoch.

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