Das Geld zum Fenster

Bevor ich in meinem Vollzeitjob versumpfe, versuche ich zu Hause noch einmal klar Schiff zu machen. Da hab ich mir für die letzten zwei Wochen Hausfrauenzeit so einiges vorgenommen. Obwohl ich dieses Jahr bereits zwei (!!!) Mal Fenster geputzt habe, müsste ich es eigentlich schon wieder tun. Denn so wie es sich für Hausfrauenarbeiten gehört, wird auch diese von meinen beiden menschlichen Mitbewohnern korrumpiert. Statt über Streifenfreiheit und kristallklare Sicht zu staunen, hebt mein Mann das kleene Froillein ans frisch geputzte Fenster und lässt sie mit ihren speichelfeuchten Händen die Scheiben zu schmieren. An den Balkontüren braucht sie den Papalift nicht, da kann sie auch vom Boden aus Scheibenknutscher spielen. Sehen die Fenster dann aus, als hätten die Stubenfliegen eine wilde Orgie darauf gefeiert, interessiert dann plötzlich niemanden mehr die Fernsicht. Außer vielleicht das in die Jahre gekommene Nachbarsvolk, was ja eh nix anderes zu tun  hat, als den jungen Frauen Schlamperei vorzuwerfen. Also widme ich mich lieber dem Verstauen und Archivieren nicht mehr genutzter Sachen, allen voran Dinge, die sich während Froilleins Babyzeit angesammelt haben. Dabei fiel mir auf, wie hoch der Anteil an sinnlosen Investionen ist, die ich im vergangenen Jahr getätigt habe. Es ist also an der Zeit sich kurz zurück zu entsinnen, um andere werdende und frisch gebackene Mütter vor derlei Geldvernichtung zu warnen.

Auf Platz eins der verschwendeten Moneten und Hoffnung steht eindeutig die Babyhängematte. In der Hoffnung das Kind möge darin seinen Schlaf finden von einem anderen Elternpaar erstanden,  wurde sie von unserer Tochter alsbald mit vehementen Geschrei als mangelhaft befunden. Tatsächlich hätte man ein Kind wie unseres darin niemals unbeaufsichtigt lassen können. Bereits mit wenigen Wochen hätte sie sich damit überschlagen. Außerdem eignet sich solch eine Hängematte wirklich nur für sehr warme Gefilde. Gut, die letzten Wochen hätte man sie tatsächlich gut einsetzen können. In jedem anderen deutschen Sommer, würden die Kleinen in dem Ding jedoch zu schnell auskühlen.

Dann habe ich die Schnullersammlung weggepackt. Mindestens zehn Stück umfasste sie zuletzt. Kein einziger davon, ob mit oder Silikon, zahnfreundlich, öko oder nicht, konnte unserem Kind genügen. Nur Mamas Nippel gelang es, ihr den Mund zu stopfen. Die Schnullerfee konnten wir jedoch getrost vor der Türe stehen lassen. Wer nie abhängig war, braucht auch keine Entziehung.

Aus der Heilwolle wollte ich schon längst irgendwelche Filzmännchen gebastelt haben, bevor die Motten rein gehen. Die hat uns nämlich nie sonderlich viel genützt. Vielleicht hätte sie vorbeugend gute Dienste getan, wer weiß. War das Kind jedoch erst einmal in den Brunnen gefallen und der Po puderrot und pustelig, half nur noch föhnen, warten, Linola und Bebanthen. Ich mochte die Heilwolle nie besonders, weil sie überall in der Rosette wie bleiches A***haar hing und….ach lassen wir das…ich mag sie einfach nicht. Nur zum basteln.

Der Lauflernwagen kann eigentlich auch in die Garage. Damit laufen gelernt hat das Froillein jedenfalls nicht. Stattdessen ist sie damit mehrmals umgekippt und hat ihn als Toilette benutzt. Vielleicht kommt sie später noch auf den Geschmack eine Puppenmutti sein zu wollen und schiebt damit meine Platikenkel rum. Bisher geht sein Nutzen jedoch gen null.

Ein ebenso unbeliebtes Spielzeug ist die Schaukel-Biene. Sie war ein lieb gemeintes Geschenk unserer Nachbarn. Jetzt wo dieses platzraubende Monstrum auf dem Schrank steht, zweifle ich daran, ob es wirklich lieb gemeint war…Das Froillein hat sich gerne darauf gesetzt. Statt zu wippen, nahm sie jedoch die Fühler der Riesen-Maja in den Mund und ketschte den Speichel zahlloser Nachbarkind-Generationen aus den Knubbeln heraus.

Kinderstühle haben wir nun bereits vier gekauft. Noch in der Schwangerschaft, als wir ahnungslos kindlicher Bedürfnisse gegenüber waren, erstanden wir einen ranzigen Stokke-Verschnitt, der nun als der Weisheit letzter Stuhl dient. Wenn ein Baby jedoch noch nicht sitzen kann, Mama sich aber gerne wieder ein Brötchen zum Frühstück schmieren möchte, braucht man etwas mit verstellbarer Rückenlehne. Für diesen Zweck kauften wir erst eine Babywippe und später den Polly Magic. In der Babywippe liegt nun der Kater meiner Eltern. Der Polly Magic musste aus Platz- und Saubermachgründen einem IKEA-Stuhl weichen. Der hätte es eigentlich auch noch eine Weile getan, wenn sich das Froillein daran nicht wie verrückt geraupt hätte (Siehe Eintrag „Die Raupe“).

Aus meinem kranken Ehrgeiz heraus, das Kind mit 12 Monaten trocken zu legen, kaufte ich einst einen Plätscher-Topf zur Konditionierung. Nachdem das Froillein ihm jedoch durch Fußtritte in seine Hartplastikteile den Gar ausgemacht hat, war kein Geplätscher mehr zu hören und das Ding ging zurück ins Versandhaus. Nun macht sie ihr Geschäft am Morgen in einen weniger intelligenten Topf, dessen Erfinder jedoch schlau genug war, sich auch um die tropffreie Entleerung Gedanken zu machen.

to be continued…

 

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