Kita Eingewöhnung Woche Drei: Das Kind, das niemals schlief

Ab dieser Woche wird es spannend. Das kleine Froillein soll nun über Mittag in der Einrichtung bleiben. Normalerweise würde man nun erst mit der Teilnahme am Mittagessen beginnen und erst ein paar Tage später das Kind dort auch schlafen legen. Ich konnte die Erzieherin allerdings überreden, gleich mit beiden „großen Schritten“ auf einmal in die neue Woche zu starten. Meine Güte, als ich die Krippe kam, wurde ich morgens um halb sieben einer Fremden an der Tür in die Hand gedrückt und 17 Uhr von meiner voll berufstätigen Mutter wieder abgeholt. Ob ich das nun gut fand oder nicht, hat keinen interessiert. Natürlich steht es außer Frage, dass eine sanfte Eingewöhnung langfristig gesehen auf jeden Fall besser ist. Ich habe, bis ich fünf war jeden morgen geflennt, wenn mich meine Mutter in den Kindergarten gebracht hat, was sicher der Nicht-Eingewöhnung geschuldet war. So darf es freilich nicht ablaufen. Ein wenig Flexibilität im Eingewöhnungprogramm sollte jedoch immer drin sein. Meine Tochter hat sich bisher wirklich gut gemacht und meiner Meinung nach, hätte sie schon zum Ende der ersten Woche mit essen und schlafen können. Das wäre mir -nein, eigentlich uns beiden- stark entgegengekommen. Denn ich habe sie dann gegen halb zwölf, wenn sie normalerweise zu Hause Mittag bekommt, mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, woraufhin sie in der Karre eingepennt ist. Zu Hause angekommen habe ich sie dann versucht schlafend ins Babybett zu überführen. Manchmal hat das sogar für eine Stunde funktioniert, allerdings hatte ich kein gutes Gefühl dabei, das Kind mit Winteroverall schlafen zu legen, denn Ausziehen hätte ja zwangsläufig zum Aufwachen geführt. Jedenfalls ist unser hart antrainierter, optimal strukturierter Tagesablauf völlig durcheinander geraten. Das kleene Froillein war gegen Abend übermüdet und quenglig und ich hätte mich in Ermangelung meiner Mittagspause am liebsten auch heulend auf den Fußboden geschmissen.

Ab Woche drei verbringen meine Tochter also die Mittagszeit in der Einrichtung. Ich darf mich jetzt immerhin schon den Vormittag über auf eine Entfernung von 15 Minuten davon machen. Das nutze ich sofort und geh erst mal ausgiebig shoppen. Viel für das Kind, immerhin ein wenig für Mama. Ein Anruf zur kritischen Mittagszeit bleibt aus. Erst gegen halb zwei klingelte das Handy. Als ich Madame dann abhole, wird mir mitgeteilt, sie hätte eine halbe Stunde geschlafen und ist jetzt schon wieder eine Stunde wach. Und ich freue mich wie bolle auf den Nachmittag. Tatsächlich sind die Augen meiner Tochter blau umrandet und als ich sie auf den Arm nehme sinkt ihr Köpfchen gegen meine Brust. Im Fahrradanhänger schläft sie sofort ein. Die nächsten Tage läuft es ähnlich ab, bis auf den Unterschied, dass ich nun zu Hause bleiben darf und mein Mann sie morgens in der Krippe abliefert.

Die Vormittage sind wunderbar. Ich kann Duschen ohne, dass mir ein kleiner Gnom den Duschvorhang wegreißt, ins Wanken gerät und gegen die Badkommode knallt. Ich kann auf dem Klo in Ruhe Zeitung lesen, wie es seit neun Monaten nur noch meinem Mann vergönnt ist. Ich kann den Geschirrspüler ohne Eile, Fingerklemm- und Messerschneidgefahr einräumen. Ich kann Aufräumen und Saubermachen ohne ein Neunkilogewicht auf dem Rücken zu transportieren. Ich kann. Muss ich aber nicht. Bis auf Erstgenanntes widme ich mich erst mal meinen Hobbys. Und die To-do-without-Baby-Liste ist so lang, dass Madame mindestens zehn  Jahre in die Kita gehen muss, damit ich das alles abarbeiten kann.

Die Nachmittage sind dann eher ätzend. Das kleene Froillein schläft maximal 40 Minuten in der Kita. Zu Hause findet sie ebenfalls kaum zur Ruhe. Insgesamt häuft sie sich über den Tag ein Schlafdefizit von 2 Stunden an. Statt 13 Stunden, die sie dringend braucht, um ein nettes Kind zu sein, kommt sie meist nur noch auf 11 Stunden Schlaf pro Tag.

Am Freitag erzählt mir eine der Erzieherinnen dann, dass sich mein Kind ja ständig auf den Bauch rollt im Schlaf. „Wir drehen sie dann aber immer zurück. Bei uns sollen die Kleinen auf den Rücken schlafen.“ Hand gegen die Stirn klatsch! Ich sage nur hm hm….und wundere mich nicht mehr, weshalb Madame hier so schlecht schläft. Seit einiger Zeit rollt sie sich nämlich zum Schlafen immer auf die Seite oder den Bauch. Als ich am Montag darauf das „Problem“ anspreche, wird mir empfohlen, etwas zu unterschreiben, dass mein Kind auf dem Bauch schlafen darf. Verrückte Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.