Kita Eingewöhnung Woche Zwei: Maßstäbe setzen

Ab dieser Woche darf ich mich endlich zurückziehen. Ich verabschiede mich von Madame, als würde ich zur Arbeit gehen. In Wirklichkeit ist mein Aufenthaltsort für die nächsten zwei Stunden das Personalzimmer der Kita, sodass ich im Zweifeslfall sofort zur Stelle sein kann, wenn mein Kind Mamiweh verspürt. Dort darf ich an einer Wandzeitung über das Leben meines Kindes arbeiten. Eine Woche lang habe ich ja kaum was anderes getan als die fertigen Plakate über die anderen Kinder anzustarren, die da in abreißfreundlicher Höhe für kleine Kinderhände im Gruppenraum hängen. Das kleine Froillein hat sich auch gleich daran gemacht, die Kunstwerke der anderen Bastelmamis zu zerstören.

Nun sitze ich vor einem Din A2 Bogen bunten Bastelkartons und überlege, was ich draus mache. Zuerst einmal klebe ich das mitgebrachte Foto unseres Familienhundes auf. Da ich die Unordentlichkeit unserer Wohnung ringsrum abgeschnitten habe, sieht der Ausschnitt nun aus, wie ein Hügel…Also male ich einen Maulwurfshaufen drum herum aus dem ein blinder Maulwurf rausguckt. Mein Plan ist nun einen kleinen Garten zu gestalten, in dem alle Lieblingsmenschen meiner Tochter Platz finden sollen. Omas und Opas schweben in kleinen Schäfchenwolken durch den Himmel, Papa wird von einer Biene von Blüte zu Blüte getragen. In mitten des emsigen Insektentreibens Königin C., von der es ein Bild gibt, auf dem sie in ihrem quietschpinken Hochstuhl thront, als würde sie dem gemeinen Pöbel eine Audienz gestatten. Wunderbar! Die kommenden Tage soll ich merken, was ich mir da vorgenommen habe. Meine Freundin H. würde wohl mit dem Kopf schütteln und mich schelten, dass ich nicht immer Dinge tun soll, die ich eigentlich nicht kann. In diesem Fall Zeichnen. Am Schluss wird es trotzdem ein ganz lustiges Plakat. Nur bei den Wolken-Großeltern bin ich etwas verunsichert, ob dieses Symbol nicht impliziert, sie wären alle tot. Nun, ich wäre nicht die erste Künstlerin, die missverstanden wird. Ich muss zugeben, dieses Meisterwerk wird die anderen Eingewöhnungs-Mütter ganz schön unter Druck setzen. Aber ich sage immer, man muss Maßstäbe setzen. Erst Recht, wenn man wie ich keinen Job hat.

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