Vulpes scotia – der schottische Fuchs

Ein Blick auf das Konto genügt und es wird klar: Ein neues Jahr hat begonnen! Weihnachtsgeschenke, Versicherungsprämien und die ungeliebte Nebenkostenabrechnung reißen alljährlich ein tiefes Loch in unser Haushaltsportmonnaie. Dass wir nun beide ohne Job sind, verbessert unsere finanzielle Situation nicht im Geringsten. Es gibt wahrlich keinen schlechteren Zeitpunkt nicht im Lotto zu gewinnen, als wenn man arbeitslos ein Kind erwartet. Gewisse Anschaffungen sind dann nun mal unumgänglich und der Gang zu den geläufigen Babyausstattern treibt einen weniger aus Rührung, als vielmehr aus purer Verzweiflung die Tränen in die Augen. Die umsichtigen Verkäuferinnen von Baby Walz drücken einem zu allem Überfluss eine mehrseitige Broschüre in die Hand, in der alle Artikel aufgelistet sind, die für das neue Familienmitglied angeschafft werden sollten. Ich habe mir das Ding vorgenommen und erst einmal angefangen zu streichen. Wozu zur Hölle braucht man Babywaschlappen? Babybadetücher? Ich glaube, womit man einen großen Hintern abtrocknen kann, bekommt man auch einen Babypo trocken… Eine Wattedose? Geht da nicht auch ne Tupperdose? Babywippe? Da denk ich an ADHS-Kinder mit Haltungsschaden. Also kurz um: diese Liste ist schlicht und ergreifend ermüdend lang, völlig überflüssig und dient nichts anderem, als dem Konsumverhalten von Eltern auf die Sprünge zu helfen. Daher ist es vielleicht ganz praktisch, weniger Geld zum Aus-dem-Fenster-schmeißen zu besitzen. Anstatt nun tränenschwer den Kontoauszug nass zu weinen und mit Rabeneltern-Gefühlen aus dem Baby Walz zu stürmen, haben wir uns entschlossen gute Dinge für wenig Geld gebraucht zu kaufen. Sich für gebrauchte Dinge zu entscheiden, hat einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind und die selbst geldschwere Eltern und andere Menschen dazu veranlassen sollten, sich im Kleinanzeigenmarkt umzuschauen:

  • Gebrauchtes ist oft schadstoffärmer. Schließlich hatten Kinderwagen, Wickelkommoden und Matratzen genug Zeit auszudampfen. Der chemische Dreck wurde also schon von anderen weggeatmet. Gerade Babyklamotten sind so oft gewaschen, dass kaum noch nachvollziehbar ist aus welchem bangladeschischen Chemiewerk die Bleiche kam.
  • Gebrauchtes ist nachhaltiger. Auch wenn dieses Argument den ewig gestrigen Wirtschaftlern Blut aus den Ohren laufen lässt…Fakt ist: Alles, was nicht neu hergestellt wird, schont unseren Planeten.
  • Gebrauchtes ist günstiger und somit doch ökonomisch…zumindest für uns, den kleinen Pöbel. Viele Sachen sind bereits kurz nach Anschaffung nur noch die Hälfte des ursprünglichen Verkaufspreises wert.
  • Gebraucht kaufen ist irgendwie sozial. Denn wenn man die Dinge persönlich abholt, ergibt sich vielleicht ein netter Plausch.

Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass wahre Sparfüchse am besten gar nichts kaufen. Auf viele Dingen, die heute als selbstverständlicher Bestandteil der Babyausstattung gesehen werden, kann vermutlich verzichtet werden. Anstelle einer Wickelkommode, könnte auch ein Tisch oder einer Kommode zum Wickelplatz umfunktioniert werden. Wer geschickt ist -oder jemanden kennt, der es ist, kann sich auch einen Wickelaufsatz bauen (lassen). Manche Eltern verzichten gar auf einen Kinderwagen und tragen ihr Baby ausschließlich. Andere lassen ihren Säugling mit im Elternbett schlafen, was dann allerdings oft so endet, dass Mama und Papa zusammengepfercht auf 70 cm versuchen zu schlafen, während der Thronfolger die restlichen 110 cm in Anspruch nimmt. Oder, warum sich das Bad mit einer sperrigen Plastikwanne vollmüllen, wenn man ein großes Waschbecken hat? Von Windeltwister und anderen plastastisch-bunten Undingen zum Fischer-Preis ganz zu schweigen…das braucht kein Kind.

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